Vitamin Z

Was man nicht zum Leben braucht

Großbritannien 2013 – Tag 1

Gegen Mittag geht’s los, von Deutz mit dem Taxi zum Flughafen Konrad Adenauer Köln/Bonn. Es geht schneller als geplant durch den Verkehr und auch das Einchecken dauert keine fünf Minuten, so dass wir anschließend zwei Stunden totschlagen müssen. Gottseidank bietet der Flughafen Telekom-Hotspots an. Der Flieger kommt ca. 10 Minuten zu spät, drückt aber dafür auf die Tube und erreicht London Stansted trotzdem pünktlich. Dort kommen wir nach der Landung überraschenderweise nicht zur Passkontrolle oder Gepäckabholung, sondern die diversen Rolltreppen führen zu einer Art U-Bahn, mit der man erst einmal zum Terminal fahren muss. Die U-Bahn fährt auf einer einzelnen Schiene durch Tunnels, und ich fühle mich an den Anfang von Half-Life erinnert. Hoffentlich kein schlechtes Omen. Schließlich erreichen wir das Terminal, wo uns nach der Passkontrolle schon die nächste Überraschung erwartet: das Gepäck rotiert schon auf dem Laufband. Ich frage mich, wie die das so schnell geschafft haben.

Vor dem Flug haben wir von Köln aus schon einen Privattransport für die Reise vom Flughafen, der 50 Meilen außerhalb von London liegt, zum Hotel bestellt, um uns nicht mit großem Gepäck am Freitag Nachmittag durch den Londoner ÖPNV quälen zu müssen. Zunächst ist aber kein Fahrer in Sicht, und es dauert eine Viertelstunde, bevor schließlich die Fahrerin just in dem Moment ankommt, als ich bei dem Transportunternehmen anrufe. Unserer Fahrerin ist Maria, ein Italienerin, wie man leicht an ihrem Akzent erkennt. Es geht los. Ich sitze im Auto vorne links, ein sehr merkwürdiges Gefühl für jemanden wie mich, ohne Führerschein. Die Fahrt ist lang, sehr lang. Es dauert gut eine Stunde bevor wir überhaupt erst einmal in London sind, und dann ist dort ein wahnsinniger Verkehr. Es scheint so, als sei die Stadt übermorgen, Sonntag, komplett für Verkehr gesperrt – überall, wo wir entlang fahren, prangen Schilder, die darauf hinweisen, dass die jeweilige Straße am Sonntag wegen des London Triathlon gesperrt ist. Maria schimpft derweil über die Radfahrer, die links und rechts an uns vorbei flitzen. „London is not a city for the cyclists!“ sagt sie.

Zuletzt war ich vor ca 15 Jahren in London. Seitdem hat sich hier viel verändert. Viele moderne Großbauten prägen nun das Stadtbild, und es dauert eine Weile bis wir eine Gegend erreichen, wo mir tatsächlich etwas von früher bekannt vorkommt: der Tower. Aber fast direkt neben dem Tower steht nun ein modernes Gebäude aus Glas und Stahl, ein harscher Kontrast. Dann geht es am Themseufer entlang durch die Innenstadt, hier erkenne ich viel wieder, Westminster Palace und Big Ben, der, als ich das letzte Mal hier war, komplett zur Renovierung verpackt war. Diesmal ist er gut zu sehen. Neu ist degegen auf der anderen Rheinseite Seite der Themse das Riesenrad London Eye. Sieht spektakulär aus. Dann sind wir aber schon vorbei und fahren über die Mall auf den Buckingham Palace zu. Gut, dass wir heute kommen, und nicht am vergangenen Montag, so ist dort erstanlich wenig Volk vor den Toren. Dann geht weiter, an der Royal Albert Hall vorbei über Knightsbridge und die Kensington High Street bis zu unserem Hotel in Kensington. Fast zwei Stunden hat die Fahrt insgesamt gedauert, immerhin gab es in der zweiten Hälfte viel zu sehen.

Inzwischen habe ich festgestellt, dass es zwar theoretisch eine cleverer Idee war – wie schon letztes Jahr in Italien – eine einheimische SIM für mein iPhone zu kaufen (diesmal hat sie mir sogar schon ein Bekannter im Vorfeld besorgt und zugeschickt), praktisch erweist es sich aber erstmal als Reinfall, weil ich dämlicherweise vergessen haben, dass ich mir ja seit dem letzten Urlaub ein neues iPhone angeschafft habe, und das ist natürlich noch geSIMlockt. Und die fürs iPhone 5 vorgesehene Nano-SIM passt natürlich weder in mein iPad noch mein gerade neue angeschafftes Nexus 4. Da mein iPhone zudem auch quasi keinen Strom mehr hat, lasse ich es im Hotel und stecke nur das Nexus ein, als wir abends rausgehen um ein wenig durch London zu laufen. Wir gehen die Kensington High Street hinunter und nach nur wenigenen Meilen schon finde ich einen Telefonladen von Vodaphone. Zuerst überlege ich mir eine neue SIM zu kaufen, die in mein Nexus passt, doch das Angebot, das mir der Vodophone-Verkäufer macht überzeugt micht nicht. Quasi die halbe Leistung meiner Telekom-SIM zum doppelten Preis. Da der Laden aber gerade zumachen will, bin ich resigniert und habe schon vor, das teure Angebot anzunehmen. Ich schildere ihm mein Problem und er weist mich freundlicherweise darauf hin, dass er auch ein Adapterset für diverse SIM-Sorten hat. Damit schadet er zwar seinem Laden, aber mir kommt das recht; das Adapter-Set kostet nämlich nur 4 Pfund. Ich will mit einem 10-Pfund-Schein bezahlen, aber er kann nicht darauf herausgeben. Die Geschäfte scheinen da ja gut zu laufen… Also Kreditkarte, na dann.

Wir laufen noch ein paar Meilen weiter bis zu der dem Hotel nächstgelegenen Underground-Station, Kensington High Street. Ja, London ist groß. Wir schauen uns den Plan an und beschließen zum Piccadilly Circus zu fahren. Kleiner Schock, der Fahrschein kostet 7,30 Pfund, stellt sich aber dann als eine „Day Travelcard Off-Peak“ heraus, mit der man bis 4:30 Uhr morgens fahren kann wie man will. OK. Wir fahren mit der zum Überquellen vollen Circle Line zur Gloucester Road, um dort in die Piccadilly Line umzusteigen. „Umsteigen“, das sagt sich so einfach. In London bedeutet Umsteigen zwischen zwei Linien an einer Station meist einen Fußmarsch, für den ich hier in Köln sonst den Bus nehmen würde. Meist geht es durch Tunnel, über Wendel- und Rolltreppen, oder wie hier sogar mit einem Aufzug. Das U-Bahn-System in London ist unglaublich alt, und man merkt es auch überall. Oft hat man das Gefühl durch antike Verliese zu laufen. Vermutlich stimmt alles, was Neil Gaiman, darüber in Neverwhere geschrieben hat. Die Bahnsteige sind auch oft sehr schmal, hier z.B. ein Meter bestenfalls, und die Bahnen brausen hier mit irren Geschwindigkeiten an und schieben dabei gewaltige Luftmassen vor sich her, die für viel Wind in den Tunneln sorgen. Mir ist schleierhaft, wieso hier nicht jeden Tag Dutzende von Menschen im Gedränge auf die Gleise stürzen. An Piccadilly Circle fährt die U-Bahn in ca. 1 Kilometer Tiefe, man muss Treppen steigen und noch zwei schier endlose Rolltreppen hinauf fahren, bevor man die unterirdische Passage unter dem Platz erreicht. Dann nochmal die antiken Treppen hinauf.

Dann Menschenmassen. Überall. Ein Irrsinn, wie voll diese Stadt ist. Der Piccadilly Circle sieht aus wie damals, nur moderner, die alten großen Reklameschilder sind neuen Videowänden gewichen. Wie in Blade Runner. Um den Eros scharen sich Menschen in rauhen Massen. Wir schauen uns um und spazieren die Straße hinunter zum Leicester Square. Die Statur dort vom alten William Shakespeare wird gerade renoviert und ist komplett verkleidet. Dort ist auch das Odeon-Kino, in dem ich mit ein paar Freunden zusammen Anfang 1992 „Star Trek VI: The Undiscovered Country“ gesehen habe. Wir waren damals, unter Anderem, um diesen Film schon sehen zu können, nach London gefahren – damals dauerte es oft Monate bevor solche Film in Deutschland zu sehen waren. Wir spazieren herum, um den Leicester Square, durch Covent Garden, überalle Menschenmassen. Irre. Wir sehen uns um, auch auf der Suche nach einem nicht überfüllten Restaurant. Es ist ein Wahnsinn, wie viele Theater es hier gibt, und in kaum einem steht nicht mindestens ein Schauspieler, den man aus Filmen oder Serien kennt, im Ensemble. Ich glaube, wäre ich hier länger, ich müsste Acht geben, dass ich nicht jeden Tag ins Theater gehe.

Beim Essen, bzw. im Restaurant, bevor dass Essen kommt, versuche ich dann, meine Nano-SIM mit dem Adapter auf Micro-SIM in mein Nexus zu prokeln. Das klappt zwar auch nach ein paar Anläufen, aber das Nexus erkennt sie nicht und sagt nur „keine SIM“. Ich bin frustriert, aber dann kommt das Essen. Schließlich spazieren wir wieder zum Piccadilly Circus zurück und beschließen, dass es spät genug ist und nehmen die nächste U-Bahn zurück. Beim Umsteigen interpretiere ich leider den Plan der District Line falsch und die Fahrt wird umständlicher als geplant, aber schließlich erreichein wir wieder die Kensington High Street. Nur noch wenige Meilen bis zum Hotel.

Im Hotel probiere ich das mit der SIM noch einmal, aber wieder kein Erfolg mit dem Nexus. Es klappt dann allerdings mit dem Adapter im iPad. Immerhin etwas. Dann werde ich morgen das iPhone mit Tethering dran hängen. So weit so gut. Endlich kann ich mich hinsetzen und diesen Text schreiben. Gerade habe ich mich noch erschrocken, dass mein Notebook schon 1 Uhr anzeigt, aber das ist noch deutsche Zeit. Morgen geht es schon um 8 Uhr los mit dem Bus. Zeit fürs Bett. Gute Nacht!

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